Auf den Zahn gefühlt

Zahn eines Pottwals

Mai 2020 // Irgendwas findet man ja meist beim Strandspaziergang – ob in Irland oder anderswo: ungewöhnliche Steine oder Muscheln, vom Meer geschliffene Glasscherben oder intakte Schnorchelbrillen. Aber manchmal liegt einem plötzlich etwas ganz Besonderes vor den Füßen. Wow! Was kann denn das sein? Und dann ist die Forscherlust geweckt. Zumindest bei mir. Foto gemacht, einer befreundeten Biologin geschickt und gewartet.

Es sei der Zahn eines Pottwals, schrieb sie. Pottwalzähne seien im weitesten Sinne Elfenbein. Elfenbein?? Und dann gab’s kein Halten mehr. Ich begab mich ins Internet. Früher ritzten Walfänger kleine Gemälde in die Zähne. Googelt mal das Wort „Scrimshaw“ (heißt auch auf Deutsch so) oder schaut mal beim NDR rein, dort ist noch in der Videothek bis zum 7.7.2020 ein kurzer Bericht über einen norddeutschen Walzahn-Ritzer zu sehen. Interessant!

Aber zurück zu Moby Dick. Pottwale zählen zu den – wer hätte es gedacht? – Zahnwalen. Von denen haben sie 40-60 im Unterkiefer. Scheint aber, dass sie Zähne nicht wirklich zum Jagen brauchen, denn Wissenschaftler fanden auch gut genährte Wale mit wenig oder abgenutzten Zähnen. Ihre Lieblingsspeise sind Tintenfische. Und da die tief unten im Meer leben, müssen die räuberisch lebenden Pottwale also auch in die Tiefe tauchen – und extremen Druck aushalten. Dafür sind sie aber von der Natur gut ausgerüstet worden. Bis vor kurzem dachten die Wissenschaftler noch, dass das sogenannte Spermaceti-Organ, ein riesiger Sack mit Öl, der sich im Kopf des Wals befindet, den Auf- und Abtrieb der Pottwale regelte, aber die These ist widerlegt. Eher hat das Organ was mit Echoortung zu tun. Irgendwie muss der Wal im tiefen dunklen Wasser ja auch sein Fressen finden … Wie auch immer. Wenn ihr bei „Pottwal“ also auch amüsiert an „Spermaceti“ denkt, dann kommt ihr auf den englischen Namen der Tiere: sperm whale.

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