Ich hab’s beim Wasserholen gehört

Frisches Quellwasser in Keel. Foto: Tom Barron

Seit im Sommer 2020 das Wasser in Achill knapp wurde und dann im Winter 2021 auch noch die Trinkwasseraufbereitungsanlage schadhaft wurde, ist die Frischwasserquelle im Dorf wieder zu einem Treffpunkt für die Dorfbewohner geworden.

„The spout“, wie dieser Halbkreis mit dem Ausflussrohr in der Mauer genannt wird, war über Generationen hinweg nicht nur Trinkwasserquelle für die Bewohner von Keel, sondern auch Quelle für Neuigkeiten. Hier traf man sich mit dem Eimer in der Hand und wartete, bis er voll gelaufen war, während man mit Wartenden plauderte. Teenager trieben hier in kalten Wintern Schabernack. Sie schütteten Quellwasser auf die Straße und warteten darauf, dass vorbeifahrende Radfahrer auf der gefrorenen Oberfläche ausrutschten und sich lang legten.

Ende der 1960er Jahre kam der Fortschritt auf die Insel und fließend Wasser hielt in die Häuser Einzug. Der Spout fiel in einen 50 Jahre währenden Dornröschenschlaf. Bis, ja bis das öffentliche Trinkwassernetz letztes Jahr nicht mehr genügend Wasser für Bewohner und Besucher hergab. Kurzentschlossen richtete eine kleine Gruppe von Dorfbewohnern „the spout“ wieder her. Der Hügel oberhalb der Straße wurde aufgegraben, das Rohr, das das Quellwasser einfängt, wurde freigelegt und ersetzt und die Steinmauer verputzt und weiß angemalt.

Mittlerweile ist das Wasser aus dem heimischen Wasserhahn nicht mehr knapp und man muss es auch vor dem Gebrauch nicht mehr abkochen. Und doch kommen immer noch viele Menschen mit ihren Behältern zum „Spout“, um Wasser zu holen. In Zeiten, in denen die Pubs noch immer wegen der Coronabeschränkungen geschlossen sind und die „social distancing“ Regel Hausbesuche verbietet, können sie hier mit anderen Menschen ins Gespräch kommen. Eine Bewohnerin aus Keel brachte es in einem Zeitungsinterview auf den Punkt: „Dieser Lockdown hat uns klar gemacht, dass wir viele Dinge in Wirklichkeit gar nicht brauchen, von denen wir dachten, dass wir sie brauchen. Klar, man darf nicht in der Vergangenheit verharren, aber der Spout ist etwas aus der Vergangenheit, mit dem wir gerne leben.“

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